Presse/News
13.06.2017, 08:59 Uhr | Wilhelmshavener Zeitung, mit freundlicher Genehmigung
Soldatinnen mit Kind lieber an Land
TRUPPENBESUCH MdB Barbara Woltmann und Frauen Union informierten sich über Frauen in der Marine

Gut 1600 Frauen dienen derzeit in der Marine, erfuhren die Gäste. Soldatinnen aller Dienstgradgruppen schilderten dann ihre persönlichen Werdegänge.

VON MICHAEL HALAMA
WILHELMSHAVEN – Anderswo wird immer noch darüber diskutiert. Bei der Bundeswehr sei die vollständige Gleichstellung von Männern und Frauen Realität, so Fregattenkapitän Peter Kleinwächter vom Karrierecenter der Bundeswehr. Auch bei der Bezahlung. „Bei uns herrscht Chancengleichheit“, sagte er. „Die Leistung zählt für eine mögliche Karriere – und nicht das Geschlecht.“

Die Bad Zwischenahner Bundestagsabgeordnete Barbara Woltmann (CDU) und Mitglieder der Wilhelmshavener Frauen Union mit ihrer Vorsitzenden Brigitte Kunze vernahmen es mit Wohlwollen. Beim Marinestützpunkt-kommando machten sie sich jetzt ein Bild von der Situation für Soldatinnen – gerade auch bei der Marine. Rund 1600 Soldatinnen gibt es unter den Berufs- und Zeitsoldaten der Marine, in der insgesamt rund 16 000 Soldaten dienen.

Erst seit 2001 stehen auch den Frauen alle militärischen Laufbahnen offen. Inzwischen dienen mehr als 20 000 Soldatinnen in den Streitkräften – das sind etwa elf Prozent der Truppe. Langfristig soll der Frauenanteil im Truppendienst 15 Prozent erreichen; im Sanitätsdienst sind sogar 50 Prozent angestrebt. Diese Zahl ist fast erreicht. Denn im Sanitätsdienst (48% aller Posten), Stabsdienst (45%) und in der Logistik (20%) sind Frauen besonders stark vertreten. In Mangelverwendungsreihen wie Antriebtechnik (2,1%), Elektrotechnik (1,9%) und in der IT (4,4%) hingegen arbeiten nur wenige Frauen. Peter Kleinwächter: „Aufgrund der hohen körperlichen Anforderungen hat es bis heute auch keine Frau zu den Minentauchern oder Kampfschwimmern geschafft.“ Fregattenkapitän Jörg-Harald Mandt, Kommandeur Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven, hatte die Gäste zunächst über den größten Bundeswehr- und Marinestandort mit seinen rund 9300 Soldaten und zivilen Mitarbeitern informiert.

 

Die Karriere im Blick-oder die Familie? Frau Kapitänleutnant als Wachoffizier auf der Brücke eines Schnellbootes. Erst seit 2001 stehen auch den Frauen alle militärischen Laufbahnen in der Bundeswehr offen. Foto: Marine

Soldatinnen aller Dienstgradgruppen erzählten dann von ihrer persönlichen Situation und Werdegang in der Marine. Dabei wurde eines besonders deutlich: Sobald das erste Kind da ist, kommt eine Verwendung an Bord für die meisten Soldatinnen nicht mehr infrage. Tatsächlich gibt es wohl nur wenige Ausnahmen.

Grundsätzlich sind Vorgesetzte und Kameraden bei der Marine offensichtlich bemüht, den Müttern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Das bestätigt auch die (inzwischen) alleinerziehende Hauptbootsmann Sandra B., die bei der Bundeswehr eine Ausbildung zur  Vermessungstechnikerin gemacht hat: „Ich habe mich stets gut unterstützt gefühlt im Dienst. Trotzdem bleibt es eine organisatorische Herausforderung.“ Krippenplätze seien überall Mangelware. „Ich bin wegen der Seefahrt zur Marine gegangen und als Navigationsmeister an Bord gefahren.“ Wegen des Kindes sei sie nun an Land. „Ich habe nie die Frau in den Vordergrund gestellt, sondern mich immer als Teammitglied gesehen und eingebracht. So gab es an Bord nie Probleme.“

Oberleutnant zur See Doreen M. ist seinerzeit als Unteroffizieranwärterin eingestiegen. Inzwischen ist sie mit einem Heeressoldaten verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist in der Logistik tätig, ihr Mann macht wegen der Familie jetzt  Telearbeit. „Bei meinen Vorgesetzten habe ich immer Verständnis für die Belange der Kinder erfahren. Seefahrt kam für mich allerdings nie infrage.“ Nach acht Jahren Seefahrt ging Hauptbootsmann Melanie A. an Land – sie wollte Kinder. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist schwierig als Soldatin – allein schon wegen der Versetzungen.“ Ihr Mann war Soldat, hat den Dienst quittiert und studiert jetzt an der Jade Hochschule.
Ganz unbeschwert geht Obergefreiter Fiona S. als (noch) Freiwillig Wehrdienstleistende den Dienst an. „Ich möchte eine Büro- oder Logistikausbildung bei der Marine machen – und dann gerne dabei bleiben.“
 

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